Köpfe

Die Selfmade-Generation: Junge Unternehmer im Porträt

Helene Marquardt Von Helene Marquardt · 13. August 2026
Die Selfmade-Generation: Junge Unternehmer im Porträt
Aufbau statt Erbe: Die Selfmade-Generation baut Vermögen mit digitalen Geschäftsmodellen. (Symbolbild)

Das Bild des Unternehmers hat sich leise verschoben. Neben dem klassischen Mittelständler mit Halle, Fuhrpark und fünfzig Mitarbeitern ist ein neuer Typ getreten: Anfang bis Mitte zwanzig, aufgewachsen mit dem Internet, gestartet vom Schreibtisch im WG-Zimmer — und mitunter schneller bei sechsstelligen Erträgen als frühere Generationen bei der ersten Gehaltserhöhung.

Was diese Generation anders macht

Der auffälligste Unterschied ist die Kapitalstruktur: Die neuen Geschäftsmodelle — Software, Dienstleistung, Content, Handel ohne eigenes Lager — brauchen kaum Startkapital. Wo der Vater noch einen Bankkredit für Maschinen aufnahm, reicht heute oft ein Laptop und ein Werkzeug-Abo. Das senkt das Risiko des Scheiterns dramatisch und erhöht die Zahl der Versuche: Gescheiterte Projekte gelten in dieser Generation nicht als Makel, sondern als Lehrgeld mit Lerneffekt.

Dazu kommt ein anderes Verhältnis zur Sichtbarkeit. Die junge Unternehmergeneration baut ihre Kundschaft öffentlich auf — über Inhalte, Reichweite und persönliche Marken. Vertrauen, früher über Jahrzehnte am Standort gewachsen, entsteht heute über dokumentierte Arbeit im Netz. Wer zeigt, was er kann, verkürzt den Weg zum Kunden um Jahre.

Was gleich geblieben ist

Interessant ist jedoch, was sich bei den Erfolgreichen dieser Generation nicht verändert hat. Die Disziplin, unspektakuläre Arbeit über Jahre zu wiederholen. Die Erkenntnis, dass Umsatz Eitelkeit und Gewinn die einzige Wahrheit ist. Der Respekt vor Rücklagen, meist gelernt in der ersten eigenen Durststrecke. Und — oft überraschend früh — die Beschäftigung mit den klassischen Vermögensfragen: Wie kommt der Gewinn aus der Firma in den langfristigen Aufbau? Wie trennt man Geschäftsrisiko und Privatvermögen?

Die eigentliche Lektion

Man kann über Ästhetik und Vokabular dieser Generation schmunzeln. Aber ihr Kernprinzip ist so alt wie das Unternehmertum selbst: ein Problem finden, es besser lösen als andere, und die Erträge klüger behandeln als der Durchschnitt. Neu sind nur die Werkzeuge — und das Tempo, mit dem sich beweisen lässt, wer beides beherrscht.

Häufige Fragen

Wie baut die junge Generation heute Vermögen auf?

Über Unternehmertum mit niedrigen Startkosten — digitale Dienstleistungen, E-Commerce, Content, Software — kombiniert mit früher Kapitalmarktanlage per Sparplan. Der klassische Weg über die Immobilie ist seltener der erste Schritt.

Was unterscheidet Selfmade-Unternehmer von Erben?

Der Zwang zur Cashflow-Disziplin: Ohne Polster muss das Geschäftsmodell früh tragen. Das erzieht zu Kostenbewusstsein und Kundenfokus — Eigenschaften, die auch beim späteren Vermögensmanagement tragen.

Welche Fehler machen junge Vermögensaufbauer am häufigsten?

Konzentration auf eine einzige Wette, Lifestyle-Inflation bei ersten Erfolgen und fehlende Trennung von Firmen- und Privatvermögen. Struktur schlägt Tempo.

Helene Marquardt
Helene Marquardt · Redakteurin · Unternehmer & Lifestyle
Helene Marquardt porträtiert bei DAS VERMÖGEN Unternehmerinnen, Unternehmer und die Kultur des leisen Erfolgs. Sie kommt aus dem Magazinjournalismus und hat ein Faible für Geschichten, in denen der Wohlstand nicht das Thema ist, sondern die Folge. Zum Profil →

Weitere Beiträge